Dominique Clarier  - YT 2a-hp2

Schränke schieben - oder Dominique, das Mauerblümchen

Den Ausdruck “Schränke schieben” habe ich letztens im TV gehört. Früher wurden beim Tanzkurs auf diese Weise wohl die Mädchen bezeichnet, die bei der Tanzpartnerwahl übriggeblieben waren und für die sich dann Jungen, die von der Tanzschule speziell dafür angeheuert worden waren, „opfern“ mussten.

Genau das war der Grund, weswegen ich mir damals den Tanzkurs gespart habe. Ich wäre ein „Schrank“ gewesen.

Spindeldürr, keine Oberweite, kein Po, obwohl ich früher natürlich davon überzeugt war, mein Po sei zu dick. Heute würde ich meinem Schöpfer auf Knien danken, wenn ich genau diese Figur wiederhätte.

Oberweite war früher ungemein wichtig. Keine Oberweite, keine Chance auf einen netten Typen. So war das. Nein, das stimmt nicht. Es war eher: keine Chance auf einen der angesagten Typen. Natürlich habe auch ich nicht für die netten, stillen Jungen geschwärmt, sondern für einen der wenigen, die einfach „in“ waren. Das waren insgesamt vielleicht zwei bis drei, die dem damaligen Schönheitsideal entsprachen und die eine Ausstrahlung besaßen, die einem die Knie weich werden ließ. Diese Jungen waren einfach nur süß.

Zum Glück - aus heutiger Sicht – wollte mich von denen damals keiner als Freundin. Somit blieb mir erspart, wie die meisten anderen Mädchen nach ein paar Wochen sitzen gelassen zu werden mit einem zerbrochenen Herzen und noch weniger Selbstbewusstsein, als ich ohnehin schon hatte.

Zurück zum Tanzkurs. Da ich mir den verkniffen hatte, konnte ich natürlich nicht tanzen. Aber das glaubt einer Frau ja keiner. Einmal, viel später, wollte auf einer Hochzeit ein Feuerwehrmann mit mir auf die Tanzfläche. Ein richtig süßer Typ. Und was sagte ich? „Ich kann nicht tanzen.“ Bevor er abzog, sah ich ganz deutlich an seiner Miene, dass er mir kein Wort glaubte.

Orgaman 1

So etwas passierte mir immer wieder. Also musste der Kursus her. Da der Netteste der Netten, mit dem ich inzwischen zusammen war, auch nicht tanzen konnte, wagten wir es gemeinsam.

Ab zur Schule und aufs Parkett. Der Tanzlehrer erklärte die Schritte. Der Netteste der Netten und ich mühten uns ab. Irgendwann kam der Lehrer auf uns zu, nahm mich dezent beiseite und erklärte mir, beim Tanzen könne nur eine Person führen, und das sei der Mann. Das sei nun einmal so und das müsse ich einfach hinnehmen. Dann griff er meine Hand und absolvierte den nächsten Tanz mit mir. – Komplett!

Der Netteste der Netten grinste und ich schwitzte Blut und Wasser, bis die Musik endlich aufhörte zu spielen. Danach habe ich die Führung durch meinen Freund schweren Herzens akzeptiert.

Zuruck06

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